Der Traum vom „babeltiger“
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Der Traum vom „babeltiger“

Der Traum vom „babeltiger“

„babelwas?“ Stimmt, der Name dieser Website erschließt sich nicht von selbst. Hier also die Geschichte vom „Babeltiger“:

Vor vielen Jahren hatte ich einen Traum. Ich war ein unbedarftes Tigerjunges und liebte es die raubtierhafte Geschmeidigkeit und Kraft meines Körpers zu spüren. Mit Leichtigkeit bewegte ich mich durch die hohen Gräser und die Urwälder des Dschungels und fühlte mich unbesiegbar. Die Welt schien keinerlei Begrenzungen für mich zu haben Es war beinahe so als könnte ich durch den freien Raum fliegen.

An meiner Seite war ein mächtiger Tiger, der zu mir sprach: „Höre. Du sollst einmal Herrscher über Babel sein. Doch zuvor werde ich dich unterrichten, denn du musst noch sehr viel lernen! Lass uns damit beginnen Elefanten zu jagen. Das erfordert Geduld und Ausdauer, geschärfte Sinne, deine ganze Aufmerksamkeit und große Geschicklichkeit.“

Mir war das Recht, denn so würde ich dem alten Tiger gleich zeigen können, wozu ich in der Lage war und dass ich mit jedem Gegner leicht fertig würde. Wir pirschten eine Zeit lang durch den Dschungel und kamen schließlich an den Waldrand. Vor uns öffnete sich eine weite Flussebene, in der eine große Herde Elefanten weidete.

Der alte Tiger seufzte: „Das ging schnell… Dir fällt wohl alles einfach so zu? Wie sollst du denn ohne Hindernisse lernen?“

Doch ich hörte ihn kaum noch, da ich bereits aus meiner Deckung gesprungen war. Ich jagte auf die Elefantenherde zu, auf der Suche nach meiner Beute. Schon machte ich einen jungen Bullen aus, den ich mir greifen wollte. Mir lag nichts daran ihn zu töten, im Grunde wollte ich ja nur mit meinen Fähigkeiten beeindrucken. Noch bevor ihm die größeren Tiere zu Hilfe kommen konnten, sprang ich das überraschte Jungtier an, rang es zu Boden und setzte ihm meine Reißzähne an die Kehle. Es erstarrte sofort und ergab sich in sein Schicksal. Ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen, ließ ich von ihm ab und kehrte triumphierend zu dem alten Tiger zurück, der am Waldrand auf mich wartete.

Doch der schüttelte nur den Kopf. „Du wähnst dich unbesiegbar und glaubst du hättest die Jagd für dich entschieden, weil du den Elefanten besiegen und ihn kontrollieren konntest. Aber ein so großes und weises Tier hat man besser zum Freund.“

_ _ _

Dieser Traum war so eindrücklich für mich, dass ich noch heute immer wieder daran denke. Was könnte es bedeuten „Herrscher über Babel“ zu werden, indem ich lerne Elefanten zu jagen, ohne dass es Gewinner und Verlierer gibt?

Als Kind hörte ich die Geschichte des Turms zu Babel. Die Menschen wollten ihn wohl bauen, um Gott gleichzukommen. Dieser brachte daraufhin die babylonische Sprachverwirrung über sie und ihre Zusammenarbeit scheiterte – und damit das ganze Projekt.

Ich frage mich, ob die Geschichte auch anders erzählt werden könnte. Vielleicht bauten die Menschen den Turm ja, um ihrem inneren Bedürfnis zu folgen, Einsicht in etwas zu erlangen, das über sie hinausging? Womöglich war jedoch das Stimmengewirr, das in ihren Köpfen und untereinander herrschte, zu laut, um ein tieferes Verständnis zu entwickeln und sich darüber zu verständigen?

Babel wäre dann kein Ort auf der Landkarte, sondern ein Bild für unseren unruhigen, unachtsamen Geist und den Konflikt, den wir damit in der Welt verursachen. In meinem Traum war ich von meiner eigenen Großartigkeit so eingenommen, dass ich nur um mich selbst kreiste. In meiner Unachtsamkeit blieb mir so die weise Unterstützung durch den alten Tiger verborgen, und ich bekämpfte den Elefanten, der so anders war als ich, statt eine Verbindung mit ihm zu suchen.

Seit vielen Jahren praktiziere ich Yoga. Es gibt dort die jahrtausendealte Tradition des rājayoga, des „königlichen Yoga“. Hinter der Bezeichnung steht die Vorstellung, dass derjenige, der seinen Geist zu beruhigen vermag, ein wahrer König sei. So gesehen würde der ‚König von Babel‘ nicht über einen Ort oder über andere herrschen. Es wäre jemand, der die rastlosen Bewegungen seines Geistes, das innere Stimmengewirr, zu beruhigen vermag und in diesem achtsamen Zustand in der Welt wirkt.

Und so ist der „Babeltiger“ für mich ein Wesen, das, selbstverantwortlich und zugleich unterstützt, seinen wilden Geist zähmt und die eigene Verwirrung überwindet. Dem es in diesem achtsamen Zustand der Verbundenheit gelingt, sich gewaltfrei mit anderen zu verständigen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Ich finde das eine wunderbare Inspiration für mein Leben und das was ich darin hervorbringen möchte. Der Name dieser Website und des Blogs erinnert mich daran…



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